Barrierefreies Reisen und die CMT

Logo der CMT. Der Hintergrund ist gelb. In groß zu sehen sind die Buchstaben C M T in weiß-blau. Darunter steht: Die Urlaubsmesse und das Datum 12. bis 20. Januar 2019 und Messe Stuttgart

260.000 Besucher verbuchte die diesjährige Urlaubsmesse CMT (Caravaning, Motor und Touristik), die Reiselust ist ungebrochen. Damit ist die CMT die weltweit größte Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit. 2.207 Aussteller in zehn Hallen brachten den Besuchern ihre Angebote näher. Weil heute Menschen mit Behinderungen nicht mehr nur zu Hause bleiben möchten, wollte ich sehen, was die CMT für Menschen mit einer Einschränkung zu bieten hat.

Heute sind Menschen mit meiner Behinderung viel mobiler und aktiver wie früher und wollen, ganz selbstverständlich, auch reisen und aktiv sein. Das Bestätigt auch Hanspeter Faas, Geschäftsführer der Bundesgartenschau Heilbronn 2019: „Viele Interessierte fragen direkt nach der Barrierefreiheit und den Angeboten der Gartenschau, wir haben durchweg ein sehr interessiertes und anspruchsvolles Publikum am Stand. Die Menschen mit einem Handicap werden reiselustiger und wollen viel mehr nach außen gehen.“ Die Bundesgartenschau Heilbronn hat nach Aussage von Herrn Faas dazu auch schon viel geplant, so werden z.B. Führungen für gehörlose, hörgeschädigte, blinde und sehschwache Besucher angeboten.

Insgesamt ist es aber immer noch eher schwierig geeignete Angebote zu finden. Zwar sind Hotels heute fast generell auch mit barrierefreien Zimmern ausgestattet, es fehlt meiner Meinung nach aber an Angeboten im Bereich Pauschaltourismus. So habe ich beispielsweise kein Angebot für Busreisen gefunden, das wirklich barrierefrei ist, zumindest nicht für in der Mobilität eingeschränkte Menschen. Hier ist nach wie vor der Bus die große Hürde. Rollstühle würden zwar mitgenommen werden, der Gast müsse aber schon zumindest etwas laufen können, um in den Bus und zu seinem Platz zu kommen, denn der Rollstuhl kommt zum Gepäck. Hilfe von der Reiseleitung oder dem Fahrer könne nicht garantiert werden, so dass auf jeden Fall eine Begleitung mitreisen sollte.

In diesem Sinne „tauglicher“ scheinen Kreuzfahrten zu sein. Viele Schiffe sind mittlerweile mit rollstuhlgerechten Kabinen ausgestattet und auch Ausstattung für blinde, wie etwa die Türbeschriftungen auch in Braille, sind wohl heute auf den Schiffen gängig. Auch bei den Landausflügen würden Menschen mit einer Einschränkung entsprechend unterstützt. Auf den Schiffen selbst komme man sehr gut mit dem Rollstuhl oder einer Gehhilfe zurecht. So bleibt bei den Kreuzfahren nur noch die Anreise und Heimreise zum bzw. vom Hafen zu organisieren. Und das passiert ja dann üblicherweise so, wie man auch sonst unterwegs ist.

Schwieriger wird es wieder bei Fernreisen oder eben den nicht so üblichen Reisezielen. Findet man im Schwarzwald oder an der Ostsee wohl immer eine Unterkunft, die „passt“, wird es bei den sogenannten Erlebnisreisen eher sehr schwierig. Gefunden habe ich zwei Wohnmobilvermieter, die in Kanada bzw. in der USA rollstuhltaugliche Wohnmobile vermieten. Da der öffentliche Raum und die öffentlichen Einrichtungen in Kanada und der USA sowieso in aller Regel barrierefrei ausgestattet sind, scheint das auch eine machbare Alternative für eine individuelle Fernreise zu sein. Hier bleibt der Flug, was wohl oft klappt, aber immer wieder zu Problemen führt. Grundsätzlich aber ist Fliegen mit einem Rollstuhl möglich. Für andere Ländern habe ich vergleichbare barrierefreie Wohnmobil-Angebote nicht gefunden, was aber nicht heißt, dass es sie nicht gibt.

An was es aber noch gänzlich mangelt, sind Reiseangebote für Menschen mit kognitiven Einschränkungen, wie während der Reise einfach mehr Hilfe, Anlegung und Begleitung brauchen, als andere Reisende. Dazu gibt es hier und da Angebote von Vereinen, oft auch von der Lebenshilfe oder ähnlichen Institutionen. In der Regel muß man dazu aber jeweils Mitglied in diesem Verein sein und räumlich auch in der Nähe wohnen, oder man muß Glück haben und zufällig einen freien Restplatz bekommen. Leider sind diese Angebote dann auch oft vergleichsweise teuer, was im starken Kontrast zum in der Regel geringen Verdienst dieser Zielgruppe steht. Hier wünsche ich mich noch mehr bezahlbare Angebote, die vor allem für alle offen sind, ohne Mitglied in einem Verein sein zu müssen.

Insgesamt gibt es, vor allem in Deutschland und den angrenzenden Ländern, durchaus die Möglichkeit auch mit einem Handicap Urlaub zu machen. Die Angebote sind aber für mein Empfinden nach wie vor eher „versteckt“ und müssen aktiv gesucht werden. Bei Fernreisen scheinen vor allem Kreuzfahrten eine Alternative zu sein, wenngleich Schiffsreisen oft exklusiv und vergleichsweise teuer sind. Busreisen scheinen für mobilitätseingeschränkte zur Zeit wohl noch komplett auszuscheiden, außer man ist so fit, dass man selbst in den Bus hinein und wieder heraus kommt. Ich bin gespannt, was die CMT im nächsten Jahr im Angebot hat, und vielleicht sieht man beim einen oder anderen Anbieter schon von weitem, dass es auch inklusive Angebote für alle Menschen gibt. Mich würde das freuen. In diesem Sinne wünsche ich allen schon jetzt einen schönen Urlaub in diesem Jahr.

(c) Fotos: Messe Stuttgart

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